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TAKE AWAY: Koloniales Erbe im Museum?

    Die Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit und ihren Kontinuitäten hat zuletzt vor allem Museen vor die Herausforderung gestellt, die Herkunft ihrer Sammlungsbestände nachzuvollziehen und auch ihre Forschungstätigkeit und Ausstellungspraxis neu zu denken. Kulturelle Einrichtungen werden verstärkt daran gemessen, wie sie mit Ihrem kolonialen „Erbe“ umgehen. Als Folge richtet sich der Fokus zunehmend auf die musealen Darstellungsweisen und inwiefern diese einen europäischen Blick auf die Welt präsentieren und dabei möglicherweise Stereotype verfestigen.

    Foto: Selby
    Foto: KET

    Am 13. Januar 2023 hat die Koordinationsstelle KET in Kooperation mit dem Ernst-Haeckel-Haus, dem Stadtmuseum Jena sowie dem Museumsverband Thüringen e.V. den Workshop „Koloniales Erbe im Museum? – Perspektiven auf eine rassismuskritische Museumspraxis“ organisiert.

    Im Zentrum des Workshops standen vor allem der Ideen- und Erfahrungsaustausch zwischen Museumsmacher:innen & Wissenschaftler:innen sowie die Vernetzung unterschiedlicher Institutionen in Thüringen. 

    Auf welche Weise Museen einen Raum eröffnen können, an dem ein innovativer und vor allem an Dialog ausgerichteter Austausch initiiert werden kann, verdeutlichte die Museumsleiterin des Naturalienkabinetts Waldenburg in Sachsen, Fanny Stoye, in ihrem Workshop.

    Seit 2019 führt das Naturalienkabinett Recherchen zur Provenienz der Sammlung ihrer Ethnografica-Bestände durch und erhielt 2021-2022 eine finanzielle Förderung des Deutschen Zentrum Kulturgutverluste.

    Anschließend besuchten wir die Anatomische Sammlung der Medizinischen Fakultät Jena, die erst vor kurzer Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Insbesondere der Umgang mit human remains aus kolonialen Kontexten in den Sammlungsbeständen erfordert einen besonders sensiblen Umgang. Wie kann eine ethische Ausstellungspraxis aussehen, die gleichzeitig die Mitwirkung wissenschaftlicher Forschung am Kolonialismus aufdeckt? Dr. Ulrike Lötzsch hat in einem kurzen Rundgang durch die Ausstellung dargelegt, welche Antworten die Anatomische Sammlung bisher für sich gefunden hat.

    Im Zentrum der Gespräche standen jedoch auch die Herausforderungen in der Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe in den musealen und universitären Sammlungen und der damit zusammenhängenden Ausstellungspraxis. 

    In einer abschließenden Arbeitsphase gingen die Teilnehmer:innen insbesondere folgenden Fragen nach:

    • Mit welchen Ausstellungsformaten und musealen Didaktiken lassen sich Objekte und Narrative kritisch deuten?
    • Welche zivilgesellschaftlichen Initiativen und Projektpartner:innen können für Interventionen und Perspektivwechsel eingebunden werden?
    • Welche Probleme lassen sich durch eine gute Planung möglicherweise vermeiden?

    In den Fokus rückte dabei das sensible und diskriminierungsarme Sprechen und Schreiben, das nicht nur im kuratorischen Kontext relevant ist, sondern auch in der Vermittlung, der Forschung und der Kommunikation.

    Eine Folgeveranstaltung ist geplant und wird auf www.koloniales-erbe-thueringen.de angekündigt!